Eine Woche auf der Insel Usedom.


Eine Woche auf der Insel Usedom.

Von Brigitte Cleve.

Usedom Seebrücke im Abendrot
Liebe Freunde meines Reiseblogs,
liebe Leserinnen und Leser,

Brigitte Cleve kann nicht nur tolle Bücher schreiben sondern auch Reiseberichte (z.B. aus Dänemark), die Lust darauf machen, die jeweiligen Orte zu besuchen. Das Blog war in der letzten Zeit nicht so sehr mit neuen Beiträgen gesegnet, deswegen bin ich Frau Cleve sehr dankbar, dass sie mit einem wunderschönen Artikel von der zweitgrößten deutschen Insel dem Dornröschenschlaf des Blogs ein Ende macht. Ich habe mir vorgenommen, diese Insel auf jeden Fall zu besuchen. Aber nun lassen wir die Autorin selbst zu Wort kommen.

Eine Woche auf der Insel Usedom konnte nach den Informationen, die wir schon länger zu diesem schönen Fleckchen Erde gesammelt hatten, nicht ausreichen, um sie gründlich zu erkunden. Nachdem wir seit etlichen Jahren immer mal wieder daran gedacht hatten, die malerische, wie eine Barriere zwischen Ostsee und Haff gelegene zweitgrößte deutsche Insel zu besuchen, war es immerhin ein guter Einstieg.
Seit der vor einigen Monaten eingetretenen Dialysepflicht meines Mannes war uns klar, dass Reiseplanungen nicht mehr ganz einfach sein würden. Dann fand ich im Internet die Adresse eines Familienunternehmens in Koserow, das Wohnungen und Apartments ganz in der Nähe einer Dialysestation vermietet und sogar von der Terminplanung her mit dieser kooperiert.
Kurzentschlossen buchten wir fast so unternehmungslustig wie früher und trotz der nicht unbedingt rosigen Wettervorhersagen einen Aufenthalt in der ersten Maiwoche.
Am ersten dialysefreien Tag meines Mannes begannen wir, Usedoms von Westen her zu erkunden und besuchten zunächst Peenemünde, wo sich einst das wichtigste Hochtechnologie- und Rüstungszentrum der Nationalsozialisten befunden hatte.

Raketendenkmal



Als Wohnort macht Peenemünde einen etwas verwaisten Einduck. Warum das so war, erklärte uns ein Einheimischer, der ca. 45 Minuten dauernde Kleinbusrundfahrten über den ehemaligen Flugplatz und durch das umliegende geschichtsträchtige Gelände anbot.

Museum



Drei Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten hatten sie das einst beschauliche Fischerdorf Peenemünde zum Sperrgebiet erklärt, die Bewohner umgesiedelt und angefangen, ein Zentrum für Raketentechnik nach den Wünschen von Wissenschaftlern (u. a. des noch jungen Wernher von Braun) aufzubauen. In dem damals kurzfristig errichteten, für die Raketenerprobung unverzichtbaren, Kraftwerk befindet sich heute ein Museum. In ihm kann man sich über den Verlauf der Entwicklung von Fern- und Raketenwaffen, wie auch der „Wunderwaffe“ V 2 informieren, die Teile von London in Schutt und Asche gelegt und wehrlose Zivilisten getötet hatte. Großbritanniens Royal Airforce schlug am 10.8.1943 mit dem Abwurf von Brand- und Sprengbomben auf den Norden von Usedom zurück. Dabei starben nicht nur Soldaten, Wissenschaftler und deren Angehörige. Es kamen, angeblich durch einen Zielberechnungsfehler, auch hunderte von Zwangsarbeitern im Lager Trassenheide um.
Am Ende des 2. Weltkrieges beschlossen die Alliierten, die Gebäude auf dem Forschungsgelände dem Erdboden gleich zu machen. Die Rote Armee nutzte noch den Flugplatz, den sie 1961 an die NVA übergab. Erst nach 1989 war Peenemünde wieder für die Öffentlichkeit zugängig
Heute ist die Insel Usedom insgesamt ein Traum für Touristen, die ihre Fischerdörfer ebenso wie ihre Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck bewundern und sich im Sommer an den weißen, endlos langen Sandstränden (über 40 km durchgehend zwischen Peenemünde und der polnischen Grenze) tummeln.

Wie schon erwähnt, spielte das Wetter Anfang Mai nicht so recht mit. Immerhin konnten wir an einem Tag der kalten, windigen und regnerischen Woche Heringsdorf bei Sonnenschein besichtigen. Kein Wunder, dass sich dort früher schon Kaiser Wilhelm gerne aufgehalten hatte.

Imposant das sich von der Kurpromenade her auf die 508 m lange Seebrücke bietende Bild. Aufgrund des flachen Strandes war ihre Länge erforderlich, da an ihr Schiffe sonst nicht hätten anlegen können. Aber auch der Anblick aus dem Restaurant an ihrem Ende zurück auf das Panorama des Seebades mit seiner beeindruckenden „Bäderarchitektur“ der Jahrhundertwende lohnt sich.

Seebrücke

Bei unserem Ausflug nach Ahlbeck, dem größten der drei Kaiserbäder, wehte uns ein kräftiger Ostwind fast von der Promenade. Das Wahrzeichen der Insel, die Seebrücke mit ihrem von vier Türmchen verzierten Holzaufbau, bewunderten wir bei einem steifen und sehr leckeren Sanddorngrog lieber von einem geheizten Pavillion auf der Promenade aus.

Brücke im Sturm

In unserer Ferienwohnung, die nur wenige Minuten Fußweg von der Steilküste im Norden von Koserow lag, konnte man über Tage das Anbranden der Wellen am Strand unterhalb der Steilküste nicht überhören. Am höchsten Punkt ihres Kammes gibt es die Möglichkeit in 56 m Höhe vom Streckelsberg hinunterblicken. Der kurze, aber ziemliche steile Weg dorthin lohnt sich.

Blick vom Streckelsberg

Usedom hat über die vorerwähnten Eindrücke hinaus noch so viel mehr zu bieten. Für meinen Mann und mich wird es nicht der letzte Aufenthalt auf dieser schönen Insel gewesen sein.

Brigitte Cleve
Im Mai 2017

Liebe Frau Cleve, vielen Dank für diesen tollen Bericht, dem hoffentlich noch viele folgen werden.

In der nächsten Zeit wird es wieder mehr Berichte von „magisch-schönen Orten“ geben, das sei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, fest versprochen.

Ihr Rainer Andreas Seemann

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