Naturschutzgebiet Eichenhain in Stuttgart-Sillenbuch/Riedenberg.


Naturschutzgebiet Eichenhain in Stuttgart-Sillenbuch/Riedenberg.

Ein Stück bedrohte Natur.

Bis zu 400 Jahre alte Eichen kann man im Eichenhain bewundern.
Bis zu 400 Jahre alte Eichen kann man im Eichenhain bewundern.

Liebe Freunde meines Reise- und Ausflugsblogs,

der Eichenhain liegt im Süden von Stuttgart, zwischen den Ortsteilen Sillenbuch und Riedenberg. Jahrhundertelang diente er als Viehweide für Schweine, Schafe und Fohlen. Dabei spendeten die Eichen Schatten und die Eicheln dienten als Nahrungsquelle. Etwa 200 der mächtigen Bäume stehen dort in einer parkähnlichen Landschaft. Die ältesten unter ihnen sind 300 bis 400 Jahre alt und haben Stämme mit 4 bis 6 m Umfang.

Leider sieht man immer wieder kranke Bäume, deren Laub von Schädlingen zerfressen wurde.
Leider sieht man immer wieder kranke Bäume, deren Laub von Schädlingen zerfressen wurde.

Besucherdruck, Trittbelastung, Entnahme von Arten, ungenügende Beweidung und Nährstoffeintrag machen Pflegemaßnahmen notwendig, um den einzigartigen Charakter als Erholungsgebiet und als Lebensraum für selten gewordene Pflanzen und Tiere zu erhalten. Die Pflegemaßnahmen verhindern eine Artenverschiebung weg von der ursprünglich artenreichen Weidevegetation hin zu artenarmem Parkrasen.

Ein Stück herrliche Natur im Stadtgebiet von Stuttgart
Ein Stück herrliche Natur im Stadtgebiet von Stuttgart

Leider ist dieses Paradies bedroht. Viele der Eichen sind von Schädlingen befallen. Die dringend notwendige Beweidung des Gebiets scheitert daran, dass die Stadt keinen Schäfer finden konnte. Auch viele unvernünftige Besucher tragen zur Schädigung des Eichenhains bei. Massenhaft werden Hunde ausgeführt, die dort ihre Hinterlassenschaften verbreiten. Auch unvernünftige Radfahrer mussten wir beobachten, die mit ihren Mountainbikes abseits der Wege über die Wiesen bretterten.

In Stuttgart wurde in den letzten Jahren so viel Natur zerstört, beispielhaft genannt sei der mittlere Schlossgarten, der einem unsinnigen Bahnprojekt weichen musste. Aber auch im Rosensteinpark und den angrenzenden Gebieten wurden Hunderte von alten Bäumen gefällt.

Man kann nur hoffen, dass dieser Kahlschlag unter dem grünen OB ein Ende findet, wobei ich ehrlich gesagt, wenig Hoffnung habe, denn die BW Grünen zeigen sich nicht gerade als Naturschützer, sondern setzen bislang die Zerstörung eher fort.

Der Eichenhain ist bedroht und es wäre schön, wenn die Stadt nun alles daran setzt, dieses wunderbare Naturschutzgebiet zu erhalten.

Was könnte eine 400 Jahre alte Eiche erzählen, wenn sie reden könnte?
Was könnte eine 400 Jahre alte Eiche erzählen, wenn sie reden könnte?

Wir sind von Riedenberg aus in den Park hinein gelaufen und haben ihn auf dem Hauptweg durchquert bis an den Westrand von Sillenbuch. Es ist beeindruckend, diese wunderbaren, bis zu 400 Jahre alten Bäume zu sehen. Leider mussten einige gefällt werden, die Gründe dafür sind mir nicht bekannt. Ich vermute, dass Äste herabzustürzen drohten und man deswegen lieber auf „Nummer sicher“ ging.

Sie können den Spaziergang fortsetzen, wenn sie am Ende des Eichehains in Sillenbuch die mittlere Filderstraße überqueren und im gegenüberliegenden Waldstück weitergehen. Dort hat man einen Forstlehrpfad angelegt, der die Vielfältigkeit des Stuttgarter Waldes erläutert und die einzelnen Baumsorten und ihre Holznutzung erklärt. Dort finden Sie auch die großen Mammutbäume, die bereits 1864 von König Wilhelm I. eingeführt wurden.

Ein Mammutbaum im Stuttgarter Wald. Gepflanzt wurden sie 1864 von König Wilhelm I
Ein Mammutbaum im Stuttgarter Wald. Gepflanzt wurden sie 1864 von König Wilhelm I

Am Waldrand sind wir nach links abgebogen und über die kleine (am Sonntag für den Autoverkehr gesperrte) Straße bis zum Stadtteil Schönberg gegangen. Dort befinden sich (gegenüber vom Eichenhain) große Versuchsflächen der Universität Hohenheim. Man kann durch das offene Tor den Weg benutzen und über verschiedene Wege langsam bergab wieder zur mittleren Filderstraße gehen. Überquert man diese, ist man wieder im Eichehain und kann in anderer Richtung zurück nach Riedenberg. Für die beschriebene Strecke braucht man bei gemächlichem Tempo ca. 2,5 Stunden. Den Eichenhain selbst kann man in einer Richtung in gut einer halben Stunde durchqueren.

Die landwirtschaftlichen Versuchsflächen der Uni Hohenheim - gegenüber des Eichenhains.
Die landwirtschaftlichen Versuchsflächen der Uni Hohenheim – gegenüber des Eichenhains.

Bleibt zu hoffen, dass die Stadt sich intensiv bemüht, das wunderschöne Naturschutzgebiet zu erhalten und dass die Appelle an die Spaziergänger, Hundehalter und Radfahrer fruchten, die Wege nicht zu verlassen und den Hundedreck wieder mitzunehmen.

In diesem Sinne!

Ihr Rainer Andreas Seemann

4 Replies to “Naturschutzgebiet Eichenhain in Stuttgart-Sillenbuch/Riedenberg.”

    • Ja, das stimmt im Prinzip! Leider tut der Mensch im Stuttgarter Eichenhain nicht genug! Das Gebiet ist gefährdet! Wir geben aber die Hoffnung niemals auf, dass der Mensch doch noch merkt, dass man Geld nicht essen kann!

      Liebe Grüße aus Renningen
      Ihr Rainer Andreas Seemann

  1. Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, was die politische Bewertung eines Bahnprojekts hier verloren hat, aber dort werden wenigstens Ersatzbäume gepflanzt.
    Wer dieser Tage durch den Eichenhain geht, kann Zeuge davon werden, wie dort zig, wenn nicht gar hunderte kerngesunder Bäume die etliche hundert Jahre alt sind gefällt werden! Es ist unfassbar!!! Angeblich, weil der Magerrasen sonst zu wenig Sonne abbekommt. Das ganze passiert unangekündigt und bislang von der Öffentlichkeit unbegleitet. Ein Werk der Stuttgarter Grünen! Wo vorgestern noch alte Riesen standen ist jetzt nur noch Licht und Wiese. Ein Schaden, der nicht wieder gut zu machen ist.

    • Leider wird in Stuttgart auch unter dem grünen OB viel Natur zerstört. Ich bin gebürtiger Stuttgarter und mag gar nicht mehr in meine Heimatstadt gehen. Auch viele alte Stadtviertel, wie das Gerber- und das Weberviertel wurden zerstört und durch seelenlose Gebäudekomplexe ersetzt. Und ob die Ersatzbäume im mittleren Schlossgarten jemals gepflanzt werden, steht in den Sternen. Das waren ebenfalls, wie im Eichenhain Bäume, die mehr als 200 Jahre leben durften. Wir werden es also nicht mehr erleben, dass es dort wieder so schön wird, wie es war. Insofern hängt alles zusammen.

      Auch im Rosensteinpark und den angrenzenden Gebieten wurden unzählige Bäume gefällt, ebenso wie vor dem Wagenburtunnel die alten Kastanien. Und nun wundert man sich, dass es in der Stadt zu viel Feinstaub hat.